Kommentar

Vorbeugen ist besser als zahlen

Imelda Flaig

Im vergangenen Jahr gab es so viele Hackerangriffe wie nie zuvor. Mehr als 146 000 Cyberstraftaten hat das Bundeskriminalamt (BKA) erfasst. Damit ist die Internetkriminalität um zwölf Prozent angestiegen. Die Zahl ist erschreckend. Egal ob Industrieunternehmen, Banken, Behörden oder Kliniken – Deutschland ist zweifellos ein lukratives Angriffsziel für Hacker. Und der Ukraine-Krieg hat die kriminellen Machenschaften im Netz noch befördert.

Für die Opfer ist ein Hackerangriff ein Desaster und mit hohen Kosten verbunden. Im schlimmsten Fall steht womöglich sogar die Existenz auf dem Spiel oder vertrauliche Daten landen im Netz.

Dass gehackte Firmen auf Lösegeldforderungen der Angreifer eingehen, um wieder Zugriff auf die Daten zu haben, ist zwar nachvollziehbar, unterm Strich aber kontraproduktiv. Denn das fördert ja nur das lukrative Geschäftsmodell der Erpresser, statt es einzudämmen. Der Appell von IT-Fachleuten an die Politik, Lösegeldzahlungen zu unterbinden, geht daher in die richtige Richtung. Das Geld sollte besser in die Erhöhung der IT-Sicherheit fließen.

Fakt ist: Firmen stehen nicht machtlos den Gefahren im Netz gegenüber. Sie können vorbeugen – etwa mit der Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter oder dem Einrichten einer Taskforce, die im Krisenfall handeln kann. Corona und die Lieferkettenprobleme haben doch gezeigt, wie wichtig solche Krisenteams sind. Für den Ernstfall zu planen ist allemal besser als am Tag X in Panik zu verfallen.



Kommentar

Der Totengräber Russlands

Knut Krohn

Sanktionen sind ein Geduldspiel. Das zeigt sich auch im Fall Russland. Niemand konnte erwarten, dass das Land in wenigen Wochen wirtschaftlich kollabiert oder der Kreml gar den Angriff auf die Ukraine einstellt. Das hat zwei Gründe. Präsident Wladimir Putin ist wild entschlossen seine Großmachtfantasien umzusetzen. Und: Die russische Gesellschaft ist krisenerprobt. Putin spottet sogar über die Sanktionen und setzt darauf, dass der Westen wegen der stark steigenden Energiepreise einknickt.

Die Fakten sprechen eine andere Sprache, Russland ist ein Scheinriese. Fast die Hälfte des Staatshaushaltes zieht das Riesenreich aus Öleinnahmen, hinzu kommen Kohle, Gas und andere Rohstoffe. Doch wenn Europa als einer der Hauptabnehmer wegfällt, ist der wirtschaftliche Absturz unweigerlich.

Das ist aber nur die wirtschaftliche Seite. Das wirkliche Drama ist ein anderes. Russland wird auf Jahre abgeschnitten von gesellschaftlichen Entwicklungen, die den Fortschritt eines Landes erst ermöglichen. Schon in der Vergangenheit haben viele junge Menschen und sehr viele kluge Köpfe ihrer Heimat den Rücken gekehrt. Diese Entwicklung wird sich beschleunigen – auch das ist eine Folge der westlichen Sanktionen.

Putin schickt nicht nur Zehntausende junger Menschen rücksichtslos in den Tod, schreckt vor Kriegsverbrechen nicht zurück und ruiniert die Wirtschaft seines Landes. Der Kreml-Herrscher raubt seinem Volk die Zukunft. Er ist nicht der Held, sondern der Totengräber Russlands.