Kommentar

Hässliche Kratzer am teuren Lack

Matthias Schiermeyer

Selbst durch eine in der Zukunft einwandfreie Kommunikationsstrategie wird es Porsche-Chef Oliver Blume kaum verhindern können, dass da etwas hängen bleibt. Die Autoindustrie steht wieder einmal im Verdacht, überzogenen Einfluss auf politische Entscheidungen genommen zu haben – in diesem Fall auf die Verwendung synthetischer Kraftstoffe trotz Verbrennerverbots. Auch Bundesfinanzminister Lindner kann diesen bei vielen schon gefestigten Eindruck nicht ganz ausräumen.

Es ist zwar eine Binse, dass führende Politiker jedweder Couleur zuweilen einen kurzen Dienstweg zu den Mächtigen von Wirtschaft und Gewerkschaften pflegen. Auch dass SMS-Nachrichten etwa mit Geburtstagswünschen ins Halbprivate abgleiten, wie sich zeigt, muss man nicht überbewerten. Aber beim Austausch eines FDP-Finanzministers mit einem der bald wichtigsten Unternehmensführer der Republik über eine relevante Frage wird nicht grundlos genauer hingeschaut.

Blume – der Lindner-Flüsterer? Sein Image als jedermanns Liebling hat schon hässliche Kratzer erhalten. Das muss ihm gerade in einer Situation ungelegen kommen, da auch fachliche Zweifel an der auf ihnen wartenden Doppelbelastung bei Porsche und VW aufgekommen sind – was im krassen Gegensatz zu den enormen Erwartungen an ihn im Konzern steht. Den Rückhalt, den Blume in Wolfsburg durch den Finanzchef erhalten soll, wirkt eher wie ein Hilfskonstrukt. Auch könnten immer wieder juristische Bedenken auftauchen, dass sich beide Rollen nicht sauber voneinander trennen lassen. Eine Schonzeit wird Blume nicht bekommen – Kritiker warten nur auf erste Fehler. Gute Startvoraussetzungen sehen anders aus.