Börsenwoche

Konjunktursorgen belasten die Kurse

Barbara Schäder

Seit Jahresbeginn ist der Deutsche Aktienindex (Dax) um 20 Prozent gefallen. Die wachsende Ungewissheit über die Gasversorgung lässt für das zweite Halbjahr noch Schlimmeres befürchten.

Schon in den vergangenen Monaten litten neben den Verbrauchern auch viele Unternehmen unter den steigenden Energiepreisen. Hinzu kamen mit dem russischen Angriff auf die Ukraine neue Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten. Im März brach deshalb die Industrieproduktion regelrecht ein. Ob sich die im April begonnene Erholung fortgesetzt hat, werden am Donnerstag die Zahlen für den Monat Mai zeigen.

So oder so seien die Gewinnprognosen für die börsennotierten Unternehmen noch zu optimistisch, warnt die DZ-Bank. Die bevorstehende Bilanzberichterstattung über das zweite Quartal könnte ein böses Erwachen bringen, fürchtet Analyst Sven Streibel.

Markus Wallner von der Commerzbank sieht indes zumindest für exportorientierte deutsche Unternehmen einen Hoffnungsschimmer: Der schwache Euro sollte es ihnen erleichtern, „die im zweiten Quartal weiter gestiegenen Produktionskosten abzufedern“, meint Wallner. Im Kreise der Dax-Konzerne gelte dies „in besonderem Maße für BASF, BMW, Daimler und Infineon“.

Die Euroschwäche hängt damit zusammen, dass der Dollar von den Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed beflügelt wird. Ob sich die Zinserhöhungen bereits dämpfend auf den Beschäftigungsaufbau auswirken, wird am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht für Juni zeigen. Eine Abkühlung der heiß gelaufenen US-Konjunktur wäre durchaus im Sinne der Fed. Ob ihr Bremsmanöver gelingt, ohne den Konjunkturmotor ganz abzuwürgen, wird sich wohl erst in einigen Monaten zeigen – auch deshalb ist an den Märkten vorerst keine Entspannung in Sicht.