Kommentar

Rechtzeitig ans Alter denken

Die gesetzliche Rente wird für viele künftige Ruheständler nicht mehr reichen. Egal, was man von ihrer Absenkung hält: Eine Rücknahme der Reform aus dem Jahr 2001 ist unwahrscheinlich, weil für eine Erhöhung des Rentenniveaus die Lohnnebenkosten oder die Steuern angehoben werden müssten. Eine Zusatzvorsorge aufzubauen ist deshalb unerlässlich. Das macht die neue Studie der Versicherungswirtschaft erneut deutlich. Ihre Zahlen zur Vorsorgelücke bergen allerdings die Gefahr, so manchen zu entmutigen – weil er die empfohlenen Sparraten nicht aufbringen kann. Doch das ist kein Grund zur Resignation.

Erstens beziehen sich die Empfehlungen auf den Modellfall eines Vollzeitbeschäftigten, der 40 Jahre lang den regionalen Durchschnittsverdienst erzielt. Wer auf dieser Basis lebt und im Alter keine Abstriche machen will, sollte entsprechend viel sparen. Das bedeutet aber nicht, dass kleinere Beträge nichts nützen.

Zweitens müssen Sparer das Geld nicht zwingend alleine aufbringen. Manchmal hilft der Arbeitgeber mit Zuschüssen für eine Betriebsrente. Wer die nicht bekommt, sollte prüfen, ob die mit staatlichen Zulagen geförderte Riester-Rente infrage kommt. Das lohnt sich gerade für Geringverdiener. Selbst wenn sie im Alter eine Grundsicherung beantragen müssen, dürfen sie einen Teil ihrer Ersparnisse behalten – die Unsitte, Riester- und Betriebsrenten komplett mit der Grundsicherung zu verrechnen, ist abgeschafft.

Wie Erhebungen der Bundesregierung zeigen, verfügen viele Deutsche auch bereits über die eine oder andere Form der Zusatzvorsorge. Ob sie ausreicht, ist selbst für diese Bürger allerdings oft schwer zu beurteilen. Sie bekommen hier eine Renteninformation, da eine Standmitteilung des privaten Anbieters, und jede für sich ist nicht leicht zu verstehen.

Die Bundesregierung plant nun ein Internetportal, auf dem sich jeder Bürger einen Überblick über seine individuellen Ansprüche verschaffen kann. Leider soll es erst Ende 2022 in Betrieb gehen. Frühzeitiges Handeln, wie es von den Sparern verlangt wird, wäre auch hier angebracht gewesen.

Von Barbara Schäder