Leitartikel

Was uns die Brände lehren

D as Jahr 2018 ging als bis dahin schlimmste Feuersaison in die Annalen des US-Bundesstaates Kalifornien ein. Schon 2017 hatten Brände dort gewaltige Schäden verursacht. Doch nun könnte alles noch viel schlimmer kommen: An der Westküste brennt es wieder lichterloh – und die Brandsaison 2020 ist erst zur Hälfte vorbei. Schon jetzt sprechen Feuerwehrleute und lokale Politiker von einer historischen Katastrophe.

Wieder aufgeflammt ist dabei in den USA der Streit, ob die Brände erst durch die Klimaerwärmung so schlimm geworden sind – oder ob nicht doch allein das Forstmanagement schuld ist: Wenn abgestorbene Bäume umgesägt und dürre Äste aus dem Wald entfernt werden, haben Feuer auch weniger Nahrung, so die Argumentation. Das stimmt natürlich, aber es ist eben nur ein Teil der Erklärung. Hinzu kommt, dass sich die Wetterbedingungen an der US-Westküste in den letzten Jahren erheblich geändert haben – und das hängt mit dem Klimawandel zusammen.

Doch auch wenn Tatsachen insbesondere bei dem um seine Wiederwahl kämpfenden Präsidenten Donald Trump keine große Rolle spielen, so lohnt doch ein Blick auf die Realität. Und die besagt, dass es auch in Kalifornien wärmer geworden ist. Hinzu kommen ungewöhnliche Trocken- und Hitzeperioden – Ereignisse, die Experten schon seit Jahren mit dem Klimawandel in Verbindung bringen. Fakt ist jedenfalls, dass sich seit den 1980er Jahren an der US-Pazifikküste die Zahl der Tage im Herbst verdoppelt hat, an denen die meteorologischen Bedingungen für die Entstehung und Ausbreitung von Wald- und Buschbränden besonders gut sind. Das wiederum lässt für die Zukunft wenig Gutes erahnen, weil die Klimaerwärmung weitgehend ungebremst voranschreitet.

Nun könnte uns hier in Europa egal sein, wie die Amerikaner an ihrer Pazifikküste mit ihren zunehmend schlimmeren Feuerjahren fertig werden. Doch das wäre zu kurzsichtig gedacht. Die Situation dort zeigt in aller Deutlichkeit, wie schnell und massiv der Klimawandel die Lebensbedingungen der Menschen auch in einem hochentwickelten Industriestaat verändert. Zwar ist Deutschland glücklicherweise nicht von so schlimmen Bränden bedroht wie der Westen der USA oder auch Australien, das Ende vergangenen Jahres ebenfalls mit Bränden historischen Ausmaßes zu kämpfen hatte. Aber auch hierzulande ist durch die ungewöhnliche Trockenheit der letzten Jahre die Brandgefahr in vielen Regionen massiv gewachsen. Hinzu kommen die mancherorts großflächig abgestorbenen Nadelwälder, die möglichen Feuern zusätzlich Nahrung bieten.

Klimabedingt zunehmende Extremereignisse wie anhaltende Trockenperioden, Hitzewellen und Dauerregen mit Überschwemmungen zwingen auch hierzulande dazu, angesichts der damit verbundenen gesundheitlichen Gefahren und enormen wirtschaftlichen Schäden noch energischer gegenzusteuern als bisher. Dies bedeutet einerseits, dass die Anstrengungen zum Klimaschutz weiter erhöht werden müssen. Auf keinen Fall dürfen sie etwa wegen der Belastungen durch Corona geringer werden. Andererseits zeigen nicht zuletzt die zunehmenden Brände in Kalifornien, dass Anpassungsmaßnahmen an die sich verändernden Lebensbedingungen immer drängender werden. In den „Feuerstaaten“ der USA könnte dies ein noch stärkeres Ausdünnen und Aufräumen der Wälder bedeuten und eine Verschärfung von Brandschutzrichtlinien.

In Deutschland wiederum wird man sich zunehmend mit der Notwendigkeit befassen müssen, den Wald klimagerecht umzugestalten – etwa mit trockentoleranteren Baumarten. Klar ist, dass dies viel Geld kostet und alles noch teurer wird, wenn man Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen auf die lange Bank schiebt.

Von Klaus Zintz