Hertha BSC – VfB Stuttgart









Kommentar

Der Deal des Corona-Jahres

Stuttgart Viele Funktionäre im Sport denken von Tag zu Tag, viele Vereine leben von der Hand in den Mund. Schon allein deshalb ist absolut bemerkenswert, was jetzt in der Handball-Bundesliga passiert ist: Der TVB Stuttgart und seine zwei Hauptsponsoren haben ihre Zusammenarbeit um zehn (!) Jahre verlängert. Ein solcher Deal sucht seinesgleichen, nicht nur im Handball. Und bei dieser Bewertung ist noch nicht mal berücksichtigt, in welcher Zeit er zustande kam – mitten in der Corona-Krise, in der viele Proficlubs um ihre Existenz fürchten müssen.

Der TVB Stuttgart dagegen darf sich seiner Sache nun ziemlich sicher sein, er hat sich das Vertrauen seiner Geldgeber aber auch über eine lange Zeit hinweg hart erarbeitet. Kärcher unterstützte den Verein schon, als er noch unter dem Namen TV Bittenfeld in der Gemeindehalle des Waiblinger Teilorts spielte. Jürgen Schweikardt, der Geschäftsführer und Trainer, hat es mit seinem Team verstanden, die Beziehungen so zu pflegen und zu vertiefen, dass es nun zu diesem außergewöhnlichen Abschluss kam – der aber zugleich auch eine Verpflichtung ist.

Der TVB Stuttgart hat sich seit dem Aufstieg 2015 in der Bundesliga etabliert, als solider, gut wirtschaftender Verein. Sportlich allerdings ist noch reichlich Luft nach oben, Rang zwölf in der vergangenen Saison war die beste Platzierung. Ziel muss sein, sich weiterzuentwickeln, irgendwann in Richtung der oberen Tabellenhälfte. Der finanzielle Grundstein dafür ist gelegt. Und das ist schon weit mehr, als viele Vereine aktuell von sich behaupten können.

Von Jochen Klingovsky



Nachgefragt

„Frisch Auf kann stets explodieren“

Michael Haaß gehörte zum Kader der deutschen Handball-Weltmeister von 2007. Seit Saisonbeginn trainiert der gebürtige Essener (36) den HC Erlangen, für den er zuvor vier Jahre lang als Spielmacher aktiv war – und jetzt gastiert er mit dem Team am Sonntag (16 Uhr/EWS-Arena) bei seinem Ex-Club Frisch Auf Göppingen.

Herr Haaß, Sie kommen mit der Empfehlung eines 31:21-Kantersieges gegen das Topteam MT Melsungen nach Göppingen – hat Sie das auch überrascht? Das war nicht ganz ohne, stimmt schon. Das gibt uns Selbstvertrauen, aber letztlich ist dieser Erfolg nur eine Momentaufnahme und ändert nichts daran, dass wir mit viel Respekt nach Göppingen kommen. Frisch Auf kann immer explodieren. Sie sind jetzt neuerdings Trainer, wie schwer fällt Ihnen die Umstellung? Ich bin ein Neuling und habe einen von 20 Jobs in der Bundesliga bekommen. Das macht mich stolz und ist natürlich mit einem vollkommenen Perspektivwechsel verbunden. Als Spieler ist man damit beschäftigt, Entscheidungen zu bewerten, auch mal zu meckern. Jetzt treffe ich die Entscheidungen und muss dafür geradestehen. Im Nachhinein müsste ich mich bei meinen Trainern entschuldigen (lacht). Von welchem Coach haben Sie denn am meisten mitgenommen? Von allen etwas, aber am meisten von Juri Schewzow in Essen, Frank Carstens in Magdeburg und Velimir Petkovic bei Frisch Auf. Unter Petkovic haben Sie 2011 und 2012 den EHF-Pokal gewonnen. Die Triumphe, die gemeinsame Feier mit den Fans, das war schon einzigartig. Aber wir haben damals auch in der Bundesliga die Plätze fünf und sechs belegt. Von daher muss ich schon sagen: Bei Frisch Auf hatte ich die erfolgreichste Zeit meiner Karriere. Die Fragen stellte Jürgen Frey.