Kommentar

Auf dem richtigen Kurs

Stuttgart K Stuttgart aum bewegen sich die Temperaturen in Deutschland kontinuierlich auf den Nullpunkt zu, hat die heiße Phase in den Schulen der Republik begonnen. Das wird anstrengend und schwierig. Schon jetzt ist klar, dass warm anziehen – im praktischen wie im übertragenen Sinne – die richtige Devise für Schüler, Lehrer, Eltern und Politiker ist. Schon das Lüften im Unterricht alle 20 Minuten ist bei herbst- und winterlichen Temperaturen nicht leicht wegzustecken. Und damit fangen die Unbequemlichkeiten und Probleme des Schulalltags unter Coronabedingungen ja gerade erst an.

Anders als Virusleugner und Verschwörungstheoretiker unterstellen wollen, ist Corona daran schuld – nicht die Politik oder ein unfähiger Verantwortlicher in Gesundheits- oder Schulbehörden. Das fiese Virus läuft in der kalten Jahreszeit erst zur vollen Form auf – mit allen Konsequenzen. Besonders deutlich zeigt sich das gerade in Baden-Württemberg, wo von Montag an eine landesweite Maskenpflicht im Unterricht ab der fünften Klasse gelten wird, oder in Bayern, das die kritische Inzidenzschwelle landesweit auch überschritten hat und bald nachziehen dürfte. Andere Bundesländer setzen, wie die Chefin der Kultusministerkonferenz Stefanie Hubig aus Rheinland-Pfalz betont, die Corona-Warnampeln nicht auf Landes-, sondern auf Kreisebene um.

Es gibt kein bundesweit einheitliches Vorgehen und tatsächlich werden die Bürger mit Blick auf die Coronaregeln ihrer eigenen Schule dazu lernen müssen: weil sich die Lage ständig ändert oder sie nicht deckungsgleich mit der Coronasituation im Nachbarort ist. Das ist kompliziert, und wird viel Ärger auslösen. Es ist mühevoll, den Durchblick für die konkrete Lage zu gewinnen: Aber ist es zu viel verlangt, Toleranz für die komplizierte und unübersichtliche Coronasituation aufzubringen?

Zwar ist die Zahl der erkrankten Schüler, der zeitweise verhängten Quarantänemaßnahmen für Klassen und der Schließung ganzer Schulen seit Ende der Sommerferien gestiegen. Dennoch ist Corona an den Schulen nach wie vor selten. Das sagen nicht nur die Schulminister oder die KMK-Präsidentin, sondern auch das Robert-Koch-Institut, das die Coronastatistiken analysiert und einordnet. Die Schulen sind aktuell kein Treiber der Pandemie.

Es wäre falsch, die Maskenpflicht im Unterricht in Baden-Württemberg als Kurskorrektur zu verstehen. Sie setzt nur um, was die Kultusminister als Rahmen für das Schuljahr vorgegeben haben. Gelingt es, die Infektionszahlen zu senken, wird sie wieder ausgesetzt. Wenn nicht, müssen weitere Stellschrauben angezogen werden. Es ist richtig, was die Kanzlerin mit den Länderchefs als Kurs ausgegeben hat: Die Schulen möglichst offenzuhalten. Dass das klappt, ist nicht garantiert. Aber das Recht auf Bildung für jedes Kind verpflichtet uns, es mit aller Kraft zu versuchen. Das ist viel Anstrengung wert.

Von Bärbel Krauß