Kommentar

Nicht zu früh freuen

Stuttgart Der Autobauer Daimler präsentiert für das dritte Quartal dieses Jahres, das von der Corona-Pandemie stark beeinflusst wird, ein Ergebnis, das weit über den eigenen Erwartungen liegt : Mehr Gewinn und mehr Autoverkäufe als im Jahr zuvor. Das ist tatsächlich eine Überraschung in dieser an schlechten Nachrichten reichen Zeit

Vor wenigen Tagen erst haben die deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten die Prognose für die deutsche Wirtschaft noch einmal nach unten korrigiert. Die Botschaft der Wissenschaftler lautete: Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie waren bisher stärker als angenommen – und Deutschland wird außerdem mehr Zeit benötigen, um wieder auf ein Vorkrisenniveau zu kommen.

Bei Daimler hat sich die positive Entwicklung dagegen schon im zweiten Quartal angekündigt. Vor allem der chinesische Markt war damals ein Rettungsanker, man feierte dort im Frühsommer sogar schon wieder Absatzrekorde. Die nun erneut guten Zahlen erklärt Daimler-Finanzchef Harald Wilhelm mit den Sparbemühungen , die nun erste Früchte trügen.

Das alles sind gute Nachrichten. Es gibt gute Chancen, dass der Autobauer mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise kommen könnte. Das ist wiederum die Voraussetzung dafür, dass Daimler-Chef Ola Källenius das Unternehmen solide für die Zukunft aufstellen kann.

Der Manager benötigt das Geld aus steigenden Autoverkäufen und dem Sparprogramm dringend, denn die Investitionen in emissionsfreie Mobilität und andere Zukunftstechnologien sind teuer. Auch die Aufarbeitung der Dieselaffäre kostet nach wie vor viel Geld.

Und doch kommt die Nachricht von Daimler zu einem Zeitpunkt stark steigender Zahlen von Coronavirus-Infizierten. Der Autobauer betont selbst: Die positive Prognose für das Jahresergebnis steht unter dem Vorbehalt, dass es keine starken Einschränkungen durch die Coronavirus-Pandemie mehr geben darf. Allzu euphorisch sollte also niemand sein. Wie gut oder schlecht das Jahr 2020 für Daimler wird, hängt auch davon ab, wie sich die Pandemie weltweit entwickelt. Und das ist derzeit ungewisser denn je.

Von Yannik Buhl