Kommentar

Ein wichtiges Urteil

Peter Stolterfoht

Wer sich friedlich gegen Rassismus und nationalsozialistisches Gedankengut einsetzt, der sollte sich von der Antifa-Bewegung allerspätestens von nun an fernhalten – auch wenn dort zum Teil dieselben Ziele verfolgt werden. Das mit langen Haftstrafen zu Ende gegangene Verfahrenhat deutlich gemacht, dass die Antifa Gewalt, brutale Gewalt, für ein legitimes Mittel hält, dem politischen Gegner entgegenzutreten. Gerecht wird das aus dem linksextremen Lager dann genannt.

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Politisch motivierte Selbstjustiz, ganz egal, von wem sie ausgeht, ist in einem Rechtsstaat hart zu bestrafen. So wie dies das Landgericht Stuttgart getan hat. Wem rechtsextreme Tendenzen in der Gesellschaft wirklich Sorgen bereiten, der sollte sogar empört sein, über die Tat am Rande einer Demonstration von „Querdenkern“. Urdemokratische Überzeugungen wird nämlich Schaden zugefügt, wenn der bekennend rechtsnationale Anwalt eines Opfers, die Antifa prinzipiell als „die Antifaschisten“ bezeichnet und damit klar erkennbar den Eindruck erwecken will, dass gegen Faschismus zu sein automatisch mit Gewaltbereitschaft einhergeht.

Der Angriff am Wasen spielt rechtsextremen Ideologen in die Karten, nach dem Motto: Wir sind die Opfer, die Gefahr kommt von der anderen Seite. Eine weitere mögliche rechtsextreme Hoffnung hat sich in diesem Fall aber nicht erfüllt. Dass sich mit einem milden Urteil die Mär von einer auf dem linken Auge blinden Justiz befeuern lässt.












Lesestoff

Wieder gemütlich beeinander sitzen

Eine Freundin berichtete mir kürzlich von einem Besuch im Besen: Am Eingang wurde sie nach ihrem Familienstand gefragt. Denn in dieser Wirtschaft werden Verheiratete zusammengesetzt und Singles. Dass der Besen eine Kontaktbörse ist, war mir schon klar. Schließlich dürfen die Wengerter nur an 16 Wochen im Jahr ihren Wein daheim ausschenken. Deshalb werden Wildfremde dicht an dicht nebeneinander gesetzt, weil der Wirt dafür sorgt, dass seine Hütte maximal befüllt wird. Ein derart zielgerichtetes Verkupplungsvorgehen ist mir aber neu. Vermutlich passen sich die Wirte nur der Konkurrenz an und zeigen Dating-Programmen wie Tinder und Parship, wie erfolgreiches Matchmaking tatsächlich funktioniert. Und vielleicht ist es auch die Freude über die Wiedereröffnung der Lokale und das Bedürfnis, den eigenen Gästen ein besonders schönes Erlebnis zu bescheren. Dass gerade diese Woche die kostenlosen Bürgertests abgeschafft wurden, gibt den Besuchern vielleicht ein bisschen mehr Sicherheit in einem voll besetzen Besen: Es ist vermutlich davon auszugehen, dass von den Tischnachbarn so gut wie alle geimpft sind und man sich deshalb ruhig näher kommen kann.

Wenn die Lese zu Ende ist, starten viele Besenwirte dann ins nächste Geschäft: Der Sonnen-Besen vom Weingut Zaiß in Obertürkheim öffnet beispielsweise am 22. Oktober. Wie es sich gehört, werden die Weine dort viertelesweise ausgeschenkt. Trollinger und Riesling trocken stehen zur Auswahl sowie ein Schiller. Wer es nicht so rustikal mag, wie mein Schwiegervater (Nur vier Viertele trinken, obwohl man sechs verträgt, fand er verdächtig: „Weil an halber Rausch isch doch nausgschmissanes Geld!“, witzelte er gerne.), der kann sich den Wein auch flaschenweise bestellen. Ich empfehle den Lemberger aus dem Barrique mit dem verwegen ins Etikett geritzten Zorro-Z, das logischerweise für Zaiß steht. Für den Wein wurde der Ertrag stark reduziert, er duftet nach Vanille, Waldbeeren und Cassis, hat eine schöne Holznote und eine angenehme Würze. Um in geselligen Runden ins Gespräch zu kommen, eignet er sich hervorragend!

Das Urteil der Weinrunde:  

Holger Gayer Dieser Lemberger ist ein kulinarisches Multitalent: Er passt zur Schlachtplatte, zum Schmalzbrot und zu den Käsewürfeln. Und zur Not auch solo.

Harald Beck Einst hätte man wohl einen Besenwein für zwölf Euro artfremd genannt. Die Zeiten haben sich geändert, gut für den Besenwein.

Michael Weier Bei den Besenwirtschaften ist der Geschmack des Weins nicht immer der beste gewesen. Das hat sich geändert! Der Lemberger passt.

Lemberger im Barriquefass gereift

2017, 12 Euro, Weingut Zaiß, Mörgelenstraße 24, Obertürkheim, 07 11/32 42 82, www.zaiss.com