Kommentar

Unsensibles Gebaren

Markus Grabitz

Selbst dem unangefochtenen Primus der E-Mobilität, Elon Musk, ist es bisher noch nicht gelungen, mit batteriebetriebenen Autos gutes Geld zu verdienen. Ein Drittel der schmalen Tesla-Gewinne im dritten Quartal spülte der Verkauf von Emissionshandelszertifikaten in seine Kassen. Wie viel schwerer muss es klassischen Autobauern fallen, mit den neuen Fahrzeugen die Gewinne einzufahren, wie sie sie gewohnt sind? Zumal Daimler und Co. noch manch teuren Ballast mitschleppen, der aus der ­alten Autowelt stammt. Derzeit helfen noch die Subventionen. Spätestens wenn sie auslaufen, dürfte das Zähneklappern losgehen.

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Wenn künftig keine Zylinderköpfe, Kolben, Kraftstoffpumpen, Zündkerzen und Auspufftöpfe mehr verbaut werden, werden viele Jobs wegfallen. In der Montage – und noch mehr bei den Zulieferern. Das ist allen in der Branche klar und nichts Neues.

Neu ist auch nicht, dass VW-Chef Herbert Diess die fälligen Umbrüche rhetorisch äußerst ungeschickt vorbereitet. Der Manager ist eben kein geborener Diplomat. Hinzu kommt, dass er eine große Verehrung für Tesla-Gründer Elon Musk pflegt. Dessen unkonventionelles Verhalten imponiert wohl auch Diess. Damit eckt er aber immer wieder an. Wiederholt hing seine Zukunft im VW-Konzern daher bereits an einem seidenen Faden.

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Diess tut sich mit seinem Verhalten keinen Gefallen. Gerade im VW-Konzern, in dem die Arbeitnehmervertreter, die Porsche-Familie und die Landesregierung eine wichtige Rolle spielen, bedarf es kluger Abstimmung, um Veränderungen einzuleiten. Schon vor Diess ist so mancher Manager gescheitert, weil ihm das Austarieren der Kräfte im Konzern nicht gelungen war.