Kommentar

Daimlers Last mit der Vergangenheit

Harry Pretzlaff

Daimler wird die dunkle Vergangenheit nicht los. Konzernchef Ola Källenius und seine Mannschaft würden sich zwar gerne mit voller Kraft auf Elektroautos konzentrieren, aber die Altlast der Dieselmotoren mit einer fragwürdigen Abgasreinigung hat eine Lawine von rechtlichen Auseinandersetzungen ausgelöst. Eine Armada von Anwälten hat Mercedes-Fahrer erfolgreich dazu ermuntert, Schadenersatz für angeblich illegale umweltschädliche Motoren zu verlangen. Verbraucherschützer setzen zudem den Autobauer wie schon zuvor VW mit einer Musterklage unter Druck.

Doch es gibt einen großen Unterschied zu VW. Daimler hat, anders als die Wolfsburger, stets mit aller Kraft zurückgewiesen, absichtlich betrogen zu haben. Allerdings räumt man heute hinter vorgehaltener Hand ein, die rechtlichen Regeln für die Abgasreinigung sehr weit und manchmal auch womöglich zu weit ausgelegt zu haben. Der Schutz der Umwelt kam damals zweifellos zu kurz.

Die große Mehrzahl der Entscheidungen ist bisher indes zu Gunsten von Daimler ausgegangen. Zudem sind die Kläger bisher beim Bundesgerichtshof als höchster Instanz ebenfalls leer ausgegangen. Doch die Gerichte tun sich offensichtlich sehr schwer mit der Beurteilung der technisch sehr komplizierten Software zur Abgasreinigung.

Deshalb frohlockt die Deutsche Umwelthilfe auch zu früh, wenn sie behauptet, dass Daimler nun endgültig überführt sei. Es sind schon viele Gutachten vorgelegt worden, die die Richter am Ende nicht überzeugt haben. Zudem hat es ein gewisses Gschmäckle, dass das Gutachten von einer amerikanischen Kanzlei finanziert worden ist, die in den deutschen Markt einsteigen will und damit Werbung für sich macht.





Kommentar

Drang nach Freiheit

Klaus-Dieter Oehler

Endlich! So denkt wohl eine Mehrheit der einstigen Reiseweltmeister, die aufgrund der Coronapandemie gut anderthalb Jahre nur unter strengen Auflagen, wenn überhaupt, ins Ausland reisen durften. Vom kommenden Montag an sind nun auch die Strände Floridas wieder für deutsche Touristen erreichbar. Auch Thailand, Israel und andere beliebte Winterziele haben ihre Tore geöffnet.

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Die hohe Nachfrage nach Reisen auch ins ferne Ausland zeigt, dass die Deutschen trotz Corona nichts von ihrer Freude am Tourismus verloren haben – sei es, um andere Kulturen kennenzulernen, oder einfach nur, um Wärme und Sonne zu genießen, wenn hier die trüben Winterabende aufs Gemüt drücken. Sorgen vor einem Rückschlag haben die Urlauber trotz steigender Infektionszahlen nicht – und auch die ganze Branche denkt eher positiv nach vorn.

Die Krise ist aber noch nicht vorbei, weder in der Luftfahrt noch in der Hotellerie und Gastronomie noch bei den Reiseveranstaltern. Denn Corona wird auch nachhaltige Spuren hinterlassen, die Klimadiskussion kommt erschwerend hinzu. Für Fluggesellschaften etwa wird sich erst noch herausstellen müssen, in welchem Umfang Geschäftsreisen wieder zur Normalität werden. Und sie werden mehr und mehr damit leben müssen, dass jede Flugreise aus umweltpolitischen Gründen skeptisch beäugt wird.

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Wie sich die Folgen der Krise auf den Verbraucher auswirken werden, ist schwer abzuschätzen. Einerseits wird der Wettbewerb eher härter werden, was nach wie vor für günstige Preise spricht. Andererseits werden die Anforderungen an den Umweltschutz und andere Effekte für höhere Kosten sorgen, die die Anbieter auf Dauer nicht allein tragen können. Dies wird in der Branche für eine Neuordnung sorgen, und nur die Unternehmen, die möglichst breit aufgestellt sind, werden auf Dauer bestehen können.