Kommentar

Die Branche ist ausgezehrt

Thomas Magenheim

Es ist nur ein kleines Beispiel, das die Lage in der deutschen Veranstaltungswirtschaft aber deutlich vor Augen führt: Eine auf Messen spezialisierte und inhabergeführte PR-Agentur ist mit 20 Beschäftigten im Frühjahr 2020 in die Pandemie gegangen. Heute zählt sie noch zwei Mitarbeiter – die beiden Inhaber. Alle anderen haben nach 18 Monaten Kurzarbeit nach und nach gekündigt und sich einen neuen Job gesucht.

Das macht eines klar: Selbst wenn es für die Branche theoretisch wieder aufwärtsgeht, passiert das praktisch nicht automatisch, weil Personal fehlt. Es geht aber aktuell nicht aufwärts, sondern rasant nach unten. Die Politik hat sich bei der Pandemiebekämpfung wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie darf nicht weiter versagen.

Die Veranstaltungswirtschaft ist hierbei nur einer von vielen Anlässen zum Nachbessern. Ihre Forderungen sind nicht frech. Sie steht nach 18 Monaten Pandemie ausgezehrt wie kaum eine andere Branche mit dem Rücken zur Wand. Sie untergehen zu lassen ist schon wegen ihrer gesamtwirtschaftlichen Bedeutung keine Option. Ohne Messebauer gibt es zum Beispiel keine Messen, die für den traditionell starken deutschen Mittelstand eine wichtige Plattform sind. Deshalb muss die geschäftsführende Bundesregierung das Überleben der immerhin sechstgrößten Branche Deutschlands sicherstellen. Und die neue Regierung muss einen Neustart erleichtern. Auch jeder Bürger kann seinen Teil dazu beitragen und sich impfen lassen. Auch jetzt noch Ungeimpfte wollen 2022 Konzerteoder Festivals besuchen. Diese können aber nicht von Firmen veranstaltet werden, die pleite sind.