Sportsfreund des Tages

Florian Kohfeldt

Was haben Florian Kohfeldt, Markus Gisdol, Pal Dardai, Tayfun Korkut und Markus Weinzierl gemeinsam? Zwei Dinge: Alle sind Fußballtrainer – und alle haben im Moment keinen Job. Das Gute daran ist: Die Trainergehälter befinden sich in der Bundesliga auf einem so komfortablen Niveau, dass man sich getrost mal eine Auszeit nehmen kann. Das Schlechte aber scheint dann doch zu sein, dass das Nichtstun unzufrieden, träge und am Ende vielleicht sogar ein bisschen dick macht.

Mit geringem Aufwand kann Abhilfe geschaffen werden, denn Boliviens Fußballverband sucht seinen neuen Nationaltrainer – und das auf ungewöhnlichem Weg. Die Bolivianer haben über die sozialen Medien eine Stellenausschreibung losgeschickt, und wer jetzt schnell genug ist, der hat den Job. Bis Freitag muss der Bewerber dem Verband per E-Mail seinen Lebenslauf zusenden – inklusive einer ausführlichen Beschreibung dessen, was man so vorhat. Also ob man lieber mit falscher Neun spielen lassen will oder mit der flachen Sechs. Der bolivianische Fußballverband ruft nationale und ausländische Fachkräfte dazu auf, sich doch schleunigst zu bewerben, die Not scheint ziemlich groß zu sein. Zuletzt nahm das Land 1994 an einer WM teil. Und in der südamerikanischen Qualifikation zur Endrunde in Katar wurde die Truppe mit nur vier Siegen in 18 Spielen Vorletzter und hatte sich dann von Coach Cesar Farias getrennt. Nicht schlecht: Ein bisserl Geduld haben sie also auch. doi











Kommentar

Das große Spektakel und die Zweifel

Jan Klingovsky

Luca Paolini zählt nicht zu den ganz Großen des Radsports, einen Namen hat sich der Italiener trotzdem gemacht als WM-Dritter 2004 sowie als Etappengewinner beim Giro und der Vuelta. Auch bei der Tour hinterließ Paolini Spuren. 2015 wurde er dort nach der vierten Etappe positiv auf Kokain getestet und suspendiert – es war der bislang letzte offizielle Dopingfall bei der Frankreich-Rundfahrt. Als Beleg für die These, dass der Radsport mittlerweile sauber(er) sei, taugt diese Statistik allerdings eher nicht. Im Gegenteil.

Es gab schon immer Betrüger, die sich vor den Dopingfahndern nicht sonderlich gefürchtet haben. Prominentestes Beispiel aus dem Peloton ist Lance Armstrong. Der Superdoper und siebenmalige Tour-Sieger überstand mehrere Hundert Tests, ohne überführt worden zu sein. Das ist Geschichte, geblieben sind die Vorbehalte.

Fraglos haben Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar sich ein faszinierendes Duell geliefert, das der Stärkere gewonnen hat. Fraglos ist es eine beeindruckende Show, die Wout van Aert zeigt, der als bester Allrounder des Radsports Sprints und Zeitfahren gewinnt und nebenher noch als Edelhelfer in den Bergen schuftet. Fraglos ist es eine außergewöhnliche Leistung des Pelotons, die bisher schnellste Tour überhaupt gefahren zu sein. Die Skepsis haben die Athleten damit allerdings nicht abhängen können.

Die Antwort auf die Frage, wie glaubwürdig die aktuelle Epoche des Radsports ist, gibt es womöglich erst in der Zukunft. Dass sich Fahrer wie Maximilian Schachmann über die Zweifel ärgern, die ihnen allerorten begegnen, ist verständlich – und das Misstrauen trotzdem legitim. Denn dass die Tour seit dem Fall Paolini vor sieben Jahren komplett sauber sein soll, dürfte mit der Realität dann doch relativ wenig zu tun haben.